Ergonomie und Wirklichkeit – Zwei Welten

Ergonomie und Wirklichkeit – Zwei Welten

Eine gute Sitzposition auf dem Rad vermeidet Probleme wie Schmerzen, Druckgefühle und Taubheit. In der Abbildung oberhalb sehen wir 4 wichtige Parameter. Einer sollte auf jeden Fall passen, nämlich der der Sattelhöhe. Die Sattelhöhe ist mit entscheidend für eine gute Kraftübertragung auf die Pedale und vermeidet Knieschmerzen. Die Sattelhöhe wird nicht vom Boden aus gemessen, sondern ab Mitte Tretleger bis zur Sitzfläche. Dazu weiter unten mehr.
Um die anderen Parameter bestimmen zu können, ist einfach die Frage zu klären, welches Rad ich bevorzuge und wie ich darauf sitzen möchte. Also eine Pauschale Antwort gibt es hier nicht. Wer Rennrad fährt sitzt anders auf dem Rad als Jemand auf einem Cityrad, auch Hollandrad genannt. Auffälliges Merkmal ist die Lenkerüberhöhung. Beim Cityrad ist der Lenker höher als der Sattel vom Boden aus gemessen, beim Rennrad meist unterhalb der Sattelhöhe. Daraus ergibt sich eine nach vorne sehr heruntergebückte Haltung, wobei man auf dem Cityrad sehr aufrecht sitzt. Da muss der Lenker dann halt auch viel näher zum Sattel sein, denn sonst kommt man nur wieder mit einer nach vorn gebäugten Haltung an die Griffe.

Aus ergonomischer Sicht kann man für jeden Fahrradtyp sogenannte Normwerte aus den individuellen Körpermaßen ableiten. Hier sind folgende 3 Maße wichtig:

  • Schrittlänge
  • Rumpflänge
  • Armlänge

Hat man keine Möglichkeit seine Schrittlänge zu messen, kann man sich die Sattelhöhe näherungsweise folgendermaßen einstellen: Stelle Dich neben das Rad und ertaste Deinen Hüftknochen. Stelle Deinen Sattel nun auf diese Höhe ein. Damit hat man sich schon einen großen Gefallen in Sachen Ergonomie angetan. Ist die Abweichung von der bisherigen Sattelhöhe 1 cm und mehr, sollte man die neue Sattelhöhe nicht sofort richtig einstellen, sondern erst um die Hälfte der Differenz. So kann sich der Körper an die neue Situation anpassen. Du wirst vllt sagen, dass das Quatsch sei, denn so ein cm mehr oder weniger ist doch nichts. Dein Körper wird Dir eine andere Antwort geben. Glaub es einfach. Denn Dein erster Gedanke berücksichtig nämlich den Zeitfaktor nicht. Je länger Du fährst, umso stärker macht es sich bemerkbar.

Und genau darum geht es ja, nämlich eine längere Tour mit dem Rad ohne Beschwerden fahren zu können. Dazu ist ein Bikefitting erforderlich. D. h. Dein Rad wird auf Deine Anatomie und den Einsatzbereich eingestellt. Die Einstellung der Sattelhöhe und der Sattelneigung ist in der Regel unproblematisch. Bei der Höhe des Lenkers und seinem Abstand zum Sattel kann es schon etwas komplizierter werden. Das hängt aber vom Radtyp ab. Bei einem Cityrad besteht in der Regel auch beim Lenker die Möglichkeit, ihn in der Höhe leicht einstellen zu können. Die Form des Lenkers beeinflußt ja auch entscheidend, ob man aufrecht gemütlich (Hollandrad mit nach hinten gezogenen Griffen) oder sportlich mit mehr geneigtem Oberkörper (Rennrad, Gravelbike, Mountainbike) unterwegs ist.

In der Praxis ist ein genaues Fitting inklusive der Rahmenauswahl eher an den sportlichen Bereich gerichtet, in dem es auf optimale Performance ankommt, will man doch ganz vorne mitfahren. Im Freizeitbereich spielt das m. E. eine untergeordnete Rolle. Hier ist die Sattel- und Lenkerhöhe leicht selbst einstellbar bzw. wird vom freundlichen Fachhändler gerne vorgenommen.

 

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